Dienstag, 13. Oktober 2015

Mini Decki


Ich möchte gerne nicht so klein und machtlos sein. Sondern groß, reich und mit viel Einfluss und Geld. Viele tausend Menschen sind schon zu uns gekommen oder durch unser Land weitergezogen, auf der Suche nach einem neuen Zuhause, und es kommen jeden Tag noch viele, viele neue Menschen hinzu. Ich schäme mich dafür, wie mein Land teilweise mit diesen schutzbedürftigen Menschen umgeht, die so schlimme Dinge erlebt haben. Wie sie im Sommer einfach auf den Gehsteigen liegen mussten. Wie sie jetzt, wo es kalt wird, einen Zettel in die Hand bekommen, dass es für sie kein Dach über dem Kopf gibt in Österreich, wenn sie bei uns um Asyl ansuchen, weil alle winterfesten Quartiere schon übervoll sind. Wie kleinlich herumgestritten wird, über Zuständigkeiten herumverhandelt wird, und ob Quartiere auch gut genug oder überhaupt geeignet sind, während die Menschen DRAUSSEN warten müssen.
Ich verstehe das alles nicht.

Auf keinen Fall kann ich zuschauen und warten, das liegt mir nicht.
Mitte September habe ich begonnen, im Rahmen des Mini-Decki-Projektes Decken für Flüchtlingskinder zu nähen, acht habe ich bis jetzt geschafft. (Leider nähe ich so langsam und leider muss ich zwischendurch auch andere Dinge nähen und schaffen.)
"Mini Decki" kommt aus der Schweiz (hier ist die Seite von Mini Decki Schweiz) und bedeutet "meine Decke", dahinter steht der Gedanke, dass jedes Flüchtlings-Kind eine eigene Kuscheldecke bekommen soll, die es einhüllen und beschützen kann. Hier sind die Seiten von Mini Decki Österreich und Mini Decki Deutschland.
Ich freue mich ganz besonders, dass eine meiner Decken schon für ein kleines Mädchen ausgesucht wurde, das im Zuge einer Familienzusammenführung nun endlich wieder mit seinem Papa zusammentrifft.♥

Decken nähen ist toll, aber für mich war es nicht ausreichend angesichts der vielen Menschen in Not.
Wir wohnen sehr ländlich und bei uns sind bis jetzt nur wenige Refugees untergebracht, da gibt es vor Ort nicht viele Möglichkeiten, etwas zu tun. Deshalb fahre ich nun seit Mitte September einmal die Woche nach Wien zu Train of Hope am Hauptbahnhof, um dort einen Vormittag lang in der Flüchtlingsbetreuung mitzuarbeiten. Immer bin ich schwer bepackt, wenn ich mich auf den Weg mache - Train of Hope ist auf Facebook sehr aktiv, es gibt eine mehrmals täglich aktualisierte Bedarfsliste, nach der suche ich zuhause Sachen zusammen (Schuhe, Jacken, Pullover) bzw. kaufe günstige Dinge im Supermarkt ein (z.B. Milchbrötchen, Datteln, Einwegrasierer, Socken, Obst ...) und bringe dann alles zum "Dienst" mit. Vor Ort wird man dann immer eingeteilt, wo gerade Hilfe nötig ist - ich habe schon im Kleiderlager gearbeitet, in der Sandwich-Produktion, in der Schuhausgabe und in der Damen- und Kinder-Gewandausgabe.
Beim letzten Mal hatte ich auch meine große Tochter dabei. Eigentlich sind Helfer erst ab 16 erlaubt (sie ist 13), aber wir haben nachgefragt, weil sie so gerne mitkommen wollte, und wenn wir die ganze Zeit zusammenbleiben, ist es auch jetzt schon ok. Es war eine sehr wertvolle Erfahrung für sie, die sie gerne bald wiederholen möchte. Auch ich habe immer das Gefühl, dass ich dort beim Helfen mehr mitnehme, als ich gebe.♥


Verlinkt beim Creadienstag.

Kommentare:

  1. Was für ein Glück, dass es so wunderbare Menschen wie dich gibt :-) Danke für den tollen Beitrag. LG Olivia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. dem kann ich mich nur anschließen! drück dich, anneliese!
      lg kathrin

      Löschen
  2. Drück dich und L.....
    Herzlichst
    Astrid

    AntwortenLöschen
  3. Oh, wie wunderbar!!
    Es ist schön zu sehen, dass so viele Menschen helfen wollen.
    Hast du schon mal von "sew a smile" gehört? ;)

    Liebe Grüße,
    Almut

    AntwortenLöschen
  4. Oh Anneliese, ich finde das so toll, was du machst und ich sehe das genauso wie du. Ich habe mich seit einiger Zeit auch der aktiven Flüchtlingshilfe hier vor Ort angeschlossen, denn jede Hilfe ist aus meiner Sicht ein Schritt in die richtige Richtung.
    Liebe Grüße
    Sandra

    AntwortenLöschen
  5. Daumen ganz weit hoch liebe Anneliese! Traumhafte Decken und wunderbares Engagement.
    Ich habe auch gerade erst die zu klein gewordenen Kinderklamotten und Schuhe aussortiert und werde sie abgeben.

    Ganz liebe Grüße aennie

    AntwortenLöschen
  6. Ich kann mich da den anderen nur anschließen. Du bist ausserdem auch gar nicht klein und machtlos. Durch Dich wurden viele andere auf die Aktion aufmerktsam. Ich auch. Hier im Regal liegen schon 4 Meter neuer Stoff, der zu Decken verarbeitet werden will. Ich warte nur noch auf eine versprochene Kinderbettwäsche-Spende und muss die Futterdecken kaufen (machen wir am Donnerstag), dann fang ich an zu nähen. Hab auch schon Kontakt mit dem örtlichen Mini-Decki-Aktionsteam bei fb aufgenommen und werde von dort Labels geschickt bekommen. Also, Du siehst... Dein Handeln zieht Kreise ;)

    LG anna

    AntwortenLöschen
  7. Wow, wie toll! Die Decken werden den Kindern sicher ganz große Freude bereiten und auch deine Mithilfe ist sehr wertvoll!
    Toll, dass du das machst!

    Lg, Tabea

    AntwortenLöschen
  8. Anneliese, du hast so ein großes Herz. Echt.

    Danke!
    Klaudia

    AntwortenLöschen